Was verdient man wirklich in Zürich? Gehälter nach Branche

Stellensuchende • By Samuel •

Ein Banker verdient in drei Monaten so viel wie ein Koch in einem Jahr. Beide arbeiten in Zürich. Beide haben eine Vollzeitstelle. Beide zahlen die gleichen Mieten.

Willkommen in der Realität des Arbeitsmarkts in Zürich.


Die Ausgangslage

Der mittlere Lohn in Zürich beträgt 7'502 Franken im Monat. Das ist der höchste Wert in der Schweiz. Das klingt gut.

Aber diese Zahl stimmt nicht. Oder sie zeigt nur einen Teil der Wahrheit.

Je nach Branche bekommst du in Zürich pro Monat entweder CHF 4'700 oder CHF 10'700. In derselben Stadt und bei gleicher Arbeitszeit ist der Lohn doppelt so hoch.


Die Gewinner: Banken

CHF 10'723 pro Monat. Das ist der Medianlohn bei Banken. Das ist kein Spitzenlohn. Die Hälfte verdient mehr.

Was heisst das konkret?

Ein Kundenberater startet bei CHF 80'000 bis 100'000. Ein Analyst mit ein paar Jahren Erfahrung verdient CHF 150'000 bis 250'000. Boni kommen noch dazu. Ein Drittel der Angestellten in der Schweiz bekommt einen Bonus, im Durchschnitt CHF 12'000 pro Jahr. Bei Banken ist es oft das Doppelte oder Dreifache.

Die obersten 10 Prozent in Zürich bekommen mehr als 13'970 Franken im Monat. Das gilt ohne Boni.

Rechne das mal auf ein Jahr.


Tech: Das neue Gold

Software-Entwickler in Zürich verdienen 105'000 bis 110'000 Franken pro Jahr. Einsteiger mit Uni-Abschluss bekommen 80'000 Franken. Wer fünf Jahre Berufserfahrung hat, verdient 120'000 bis 130'000 Franken.

Und dann gibt's Google.

Einsteiger bei Google Zürich verdienen zwischen CHF 150'000 und 200'000 im Gesamtpaket. Senior Engineers bekommen CHF 230'000 bis 380'000. Ab Staff Level liegt das Gehalt über CHF 500'000.

Das ist ungewöhnlich. Trotzdem gibt es das. In Zürich. Heute.


Pharma: Still und reich

CHF 10'159 im Monat als Median. Mehr als CHF 120'000 im Jahr.

In Zürich gibt es weniger Pharma-Jobs als in Basel. In Schlieren, direkt an der Stadtgrenze, haben mehr als 40 Life-Sciences-Startups ihren Sitz im Bio-Technopark. Wer dort arbeitet, verdient oft mehr als in der Bankfiliale nebenan.


Die Mitte: Wo die meisten landen

Grosshandel: CHF 7'500. Maschinenindustrie: CHF 7'600. Baugewerbe: CHF 6'600.

Das sind die Branchen, über die keiner spricht. Sie stehen nie in den Nachrichten. Niemand postet darüber auf LinkedIn. Doch die meisten Menschen arbeiten hier.

CHF 6'600 im Bau klingt erstmal gut. Aber dann schaust du die Zürcher Mieten an. Eine 3-Zimmer-Wohnung kostet oft CHF 2'500 oder mehr. Nach Steuern, Krankenkasse und Miete bleibt nicht viel übrig.


Die Verlierer: Gastro

CHF 4'744 im Monat. Das ist der Medianlohn in der Gastronomie. Etwa CHF 57'000 pro Jahr.

Ein Koch mit EFZ bekommt laut Gesamtarbeitsvertrag mindestens CHF 4'519 im Monat. Wer keine Ausbildung hat, bekommt CHF 3'706. Das ist der gesetzliche Mindestlohn.

Fast die Hälfte der Jobs in der Gastronomie sind Tieflohnstellen. Sie zahlen weniger als CHF 4'636 im Monat.

Die Rechnung:

  • CHF 4'500 brutto
  • Minus AHV, Pensionskasse, Steuern: ca. CHF 3'400 netto
  • Minus Miete (CHF 1'800 für eine kleine Wohnung): CHF 1'600
  • Minus Krankenkasse (CHF 400): CHF 1'200
  • Für alles andere: CHF 1'200 pro Monat

Essen. Kleidung. Handy. Öffentliche Verkehrsmittel. Ausgehen.

Kein Wunder, dass in der Gastronomie so viele Arbeitskräfte fehlen.


Pflege: Sie schneidet besser ab als ihr Ruf, hat aber Probleme.

Pflegefachperson HF verdient zwischen CHF 5'940 und 7'110 im Monat. FaGe bekommt mindestens CHF 4'660.

Die Löhne sind höher. Der Fachkräftemangel trägt dazu bei. Trotzdem liegen sie im Vergleich zu Banken oder Tech immer noch deutlich zurück.

Pflegekräfte arbeiten nachts. Sie arbeiten am Wochenende. Sie arbeiten an Feiertagen. Die Arbeit ist körperlich. Sie ist emotional.

Der Banker arbeitet nine to five und verdient das Doppelte. Das ist keine Bewertung. Das ist der Markt.


Bildung: Der lange Weg nach oben. Lehrer in Zürich bekommen ein gutes Gehalt. Im Kanton Zürich gibt es den höchsten Lohn in der Schweiz.

Primarlehrperson Einstieg: CHF 82'500. Maximum nach 27 Jahren: CHF 152'500. Sekundarlehrer verdienen am Anfang CHF 100'000. Das Maximum liegt bei über CHF 160'000.'27 Jahre bis zum höchsten Lohn. Ein guter Softwareentwickler schafft das in fünf Jahren.


Der Elefant im Ralle: Alle diese Zahlen sind Bruttolöhne. Nach Abzug von AHV, Pensionskasse und Steuern bleiben 25 bis 35 Prozent weniger übrig.

Und Zürich kostet viel. Sehr viel.

Wer CHF 5'000 brutto verdient, erhält vielleicht CHF 3'800 netto. Davon gehen CHF 2'000 für die Miete und CHF 400 für die Krankenkasse ab. Es bleiben CHF 1'400 für alles andere.

Wer CHF 10'000 brutto verdient, erhält netto rund CHF 7'000. Zieht man CHF 2'500 Miete und CHF 400 für die Krankenkasse ab, bleiben CHF 4'100 übrig.

Der Unterschied beim Brutto: doppelt so viel. Der Unterschied beim verbleibenden Betrag: fast dreimal so viel.

So funktioniert Ungleichheit.


Was du damit machst

Diese Zahlen bewerten niemanden. Ein Koch arbeitet genauso hart wie ein Banker. Eine Pflegerin leistet genauso viel wie ein Software-Entwickler.

Aber die Preise am Markt sind unterschiedlich. Das steht fest.

Diese Zahlen können dir bei der nächsten Gehaltsverhandlung helfen. Sie können auch bei der Berufswahl nützlich sein oder dir zeigen, wie dein eigener Lohn einzuordnen ist.

Oder vielleicht nerven sie dich einfach.

Das wäre auch okay.


Quellen

  1. Bundesamt für Statistik: Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2024, publiziert 25.11.2025
  2. SRF News: «Schweizer Medianlohn liegt bei 7024 Franken brutto», 25.11.2025
  3. 20 Minuten: «Lohnstrukturerhebung 2024», 25.11.2025
  4. Kanton Zürich: Lohnbuch Schweiz 2025
  5. VPOD Sektion Zürich: «Löhne im Gesundheitswesen 2024», 22.04.2024
  6. GastroSuisse: L-GAV Mindestlöhne 2025
  7. Levels.fyi / Glassdoor: Tech-Gehälter Zürich 2024–2026