Kreis 9: Altstetten & Albisrieden – Vom Arbeiterquartier zum Hochhaus-Hotspot

Stellensuchende By Samuel, Founder Veröffentlicht am 08/03/2026

Wer heute mit der S-Bahn am Bahnhof Altstetten aussteigt, reibt sich die Augen: Drei 80-Meter-Türme ragen direkt neben den Gleisen in den Himmel – die Vulcano-Überbauung, entworfen von Stararchitekt Dominique Perrault. Seit 2018 prägen sie die Skyline, mit 296 Wohnungen und einem Hotel mit 319 Zimmern. Vor zehn Jahren standen hier noch Lagerhallen und graue Bürogebäude. Altstetten macht gerade den radikalsten Wandel aller Zürcher Quartiere durch.


Foto: Zürich Tourismus

Zwei Quartiere, ein Kreis

Der Kreis 9 besteht aus zwei ehemaligen Dörfern, die 1934 eingemeindet wurden: Altstetten und Albisrieden. Zusammen sind sie heute das bevölkerungsreichste Gebiet der Stadt – über 36'000 Menschen leben hier, fast jeder zehnte Zürcher Arbeitsplatz befindet sich im Kreis 9.

Altstetten ist das grössere der beiden Quartiere und erstreckt sich vom Bahnhof bis zur Stadtgrenze Richtung Schlieren. Mit rund 33'000 Einwohnern ist es das bevölkerungsreichste Quartier der ganzen Stadt. Hier passiert gerade am meisten: Hochhäuser schiessen aus dem Boden, alte Industrieareale werden zu Wohnquartieren, und die SBB plant die Erweiterung des Bahnhofs.

Albisrieden liegt südlich davon, am Hang des Uetlibergs. Es hat sich seinen dörflichen Charakter stärker bewahrt – ruhigere Strassen, mehr Einfamilienhäuser, weniger Baulärm. Wer hier wohnt, schätzt die Nähe zum Naherholungsgebiet.


Die Geschichte: Vom Bauerndorf zum Industrievorort

Der Name Altstetten verrät viel: «Altstetin» bedeutete bei den Alemannen «bei den alten Stätten» – hier wurde offenbar schon lange gesiedelt. Tatsächlich fanden Archäologen eine Goldschale aus der Bronzezeit und Überreste römischer Villen.

Der eigentliche Wandel kam 1847 mit der Spanisch-Brötli-Bahn. Altstetten erhielt eine Bahnstation, und plötzlich schnellten die Bodenpreise in die Höhe. Aus dem Bauerndorf wurde ein Industrievorort. 1907 entstand die SBB-Werkstätte, 1913 die Micafil AG (später Teil von BBC Baden). Um 1910 arbeiteten bereits 71% der Erwerbstätigen in der Industrie – nur noch 8% in der Landwirtschaft.

Die Eingemeindung 1934 war eine logische Konsequenz: Altstetten hatte bereits 1918 darum gebeten, zur Stadt zu gehören. Doch die Stadt liess sich Zeit. Erst als klar wurde, dass die wachsenden Vororte ihre Infrastruktur nicht mehr alleine stemmen konnten, wurde Altstetten zusammen mit sieben anderen Gemeinden Teil von Zürich.


Der Wandel: Wo Fabriken standen, ragen heute Türme

Altstetten erlebt gerade seine zweite grosse Transformation. Was einst Industriebrachen waren, wird zum Wohnquartier – aber nicht irgendein Wohnquartier.

Die Zahlen sind beeindruckend: Allein im Umkreis von 500 Metern um den Letzipark entstehen drei neue Hochhäuser. Der Hiag-Turm (80 Meter, 149 Wohnungen) wird 2026 bezogen. Der Letzigarten (60 Meter, 376 Wohnungen) ist in Planung. Dazu kommen die bereits fertigen Vulcano-Türme und das Letzibach-Areal.

Die Stadt hat Altstetten als Hochhausgebiet I definiert – hier sind Bauten bis 80 Meter erlaubt, mehr als irgendwo sonst in Zürich. Und das Hardturm-Areal mit seinen geplanten 137-Meter-Türmen wird nochmals eine neue Dimension bringen.

Doch nicht alle sind begeistert. Kritiker bemängeln, dass günstige Wohnungen verschwinden. Ganze Siedlungen werden abgerissen, die Neubauten kosten ein Vielfaches. Wer neu nach Altstetten zieht, braucht heute ein dickes Portemonnaie – zumindest in den neuen Überbauungen.


Arbeiten im Kreis 9: Industrie trifft Coworking

Altstetten ist nicht nur Wohnquartier, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Fast jeder zehnte Arbeitsplatz der Stadt Zürich befindet sich hier.

Die grossen Namen:

  • SBB: Der Servicestandort Herdern an der Hohlstrasse kümmert sich um die Wartung der Fernverkehrszüge. Dazu kommt die historische Werkstadt Zürich – ein 42'000 m² grosses Areal, das sich gerade vom Industriegelände zum Innovationshub für urbane Produktion wandelt.
  • Hitachi Energy: Am Micafil-Areal an der Badenerstrasse 780 produziert der Energietechnologie-Konzern Hochspannungs-Durchführungen und Isolationskomponenten. Die Bushaltestelle "Micafil" erinnert an die Geschichte des Standorts seit 1918.
  • Energie 360°: Das Energieunternehmen der Stadt Zürich (96% im Besitz der Stadt) hat seinen Hauptsitz an der Aargauerstrasse 182 – fünf Gehminuten vom Bahnhof Altstetten. Rund 430 Mitarbeitende arbeiten hier an der Energiewende.

Die neue Arbeitswelt: Parallel zur alten Industrie entstehen moderne Arbeitsformen. Im Baslerpark beim Letzipark hat Office LAB einen Coworking-Space eröffnet – mit Flex Desks, Meetingräumen und sogar einem Podcast-Studio. Die Mieten sind günstiger als in der Innenstadt, die S-Bahn-Anbindung ist exzellent.

Diese Mischung macht Altstetten interessant: Hier arbeiten Mechaniker neben Startup-Gründern, Logistiker neben Remote-Workern. Das Quartier ist kein hippes Trendviertel geworden – aber vielleicht macht genau das seinen Charme aus.


Verkehr: Der Knotenpunkt im Westen

Der Bahnhof Altstetten ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt. Hier halten S-Bahnen in alle Richtungen, die Limmattalbahn verbindet das Quartier mit Schlieren und Dietikon, und mehrere Tramlinien fahren ins Zentrum.

Für Pendler ist das ein echter Vorteil: In fünf Minuten ist man am Hauptbahnhof, in zehn Minuten in Oerlikon. Wer mit dem Auto unterwegs ist, profitiert von der Nähe zur A1 – auch wenn das zu Stosszeiten seine Tücken hat.

Die Stadt plant weitere Verbesserungen: Die Tramlinie 2 soll verlängert werden, und langfristig könnte auch die Linie 6 bis nach Altstetten fahren. Der Bahnhof selbst wird erweitert, um dem wachsenden Passagieraufkommen gerecht zu werden.


Leben im Kreis 9: Zwischen Letzipark und Uetliberg

Einkaufen: Der Letzipark ist das kommerzielle Herz des Quartiers – ein klassisches Einkaufszentrum mit allem, was man braucht. Drum herum gibt es türkische Bäckereien, asiatische Lebensmittelläden und bodenständige Beizen. Altstetten ist multikulturell, und das spiegelt sich im Angebot.

Freizeit: Der Letzigrund ist nicht nur Fussballstadion, sondern auch Leichtathletik-Arena – hier fanden 2014 die Europameisterschaften statt. Für den Alltag bieten die Sportanlage Hardhof und diverse Parks genug Grün. Und wer es ruhiger mag, wandert in Albisrieden auf den Uetliberg.

Ausgehen: Ehrlich gesagt – Altstetten ist kein Ausgehviertel. Wer Clubs und Bars sucht, fährt besser ins Kreis 4 oder 5. Aber das Quartier hat gemütliche Restaurants und Cafés, und die legendäre Taverne «Blaue Ente» an der Badenerstrasse existiert seit 1410.


Wer arbeitet hier?

Der Kreis 9 bietet Jobs in überraschend vielen Branchen:

Industrie & Handwerk: Die SBB-Werkstätte sucht regelmässig Elektroinstallateur:innen, Mechaniker:innen und Automatiker:innen. Auch andere Industriebetriebe bieten klassische Handwerksjobs.

Energie & Umwelt: Energie 360° und andere Unternehmen im Energiesektor suchen Ingenieur:innen, Projektleiter:innen und Spezialist:innen für erneuerbare Energien.

Logistik & Transport: Die Nähe zu Bahn und Autobahn macht Altstetten zum Logistik-Standort. Hier werden Disponenten, Lageristen und LKW-Fahrer gesucht.

Detailhandel & Gastro: Der Letzipark und die umliegenden Geschäfte bieten zahlreiche Jobs im Verkauf. Auch die Gastronomie – von der Kebab-Bude bis zum Hotel – stellt ein.

Büro & Administration: In den neuen Überbauungen entstehen nicht nur Wohnungen, sondern auch Gewerbeflächen. Buchhaltung, HR, Projektmanagement – die klassischen Bürojobs gibt es auch hier.


Das Quartier der Gegensätze

Altstetten ist kein Quartier für Menschen, die es pittoresk mögen. Hier gibt es keinen malerischen Dorfkern, keine Instagram-tauglichen Gassen, keine hippen Concept Stores. Stattdessen: Baustellen, Hochhäuser, breite Strassen, multikulturelle Vielfalt.

Aber genau das macht den Kreis 9 spannend. Hier passiert etwas. Das Quartier verändert sich schneller als jedes andere in Zürich – und wer heute hier einsteigt, erlebt diese Transformation hautnah mit.

Für Jobsuchende bietet der Kreis 9 eine ungewöhnliche Mischung: klassische Industriejobs neben modernen Coworking-Spaces, SBB-Werkstätte neben Startup-Büros. Die Mieten sind (noch) günstiger als in der Innenstadt, die Anbindung ist hervorragend, und in fünf Minuten ist man am HB.

Altstetten wird vielleicht nie «cool» im herkömmlichen Sinn. Aber es wird immer wichtiger.


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Quellen