Kreis 10: Wipkingen & Höngg – Das Dorf in der Stadt

Stellensuchende By Samuel, Founder Veröffentlicht am 14/03/2026

Wenn Zürich ein Gesicht hätte, wäre Kreis 10 das Lächeln am Rand. Nicht im Rampenlicht wie Kreis 1, nicht im Bauboom wie Kreis 9 – sondern einfach da. Entspannt. Mit Aussicht.

Der Kreis 10 besteht aus zwei Quartieren, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Wipkingen, der ehemalige Arbeiter-Hotspot, hat sich in den letzten Jahren zum Hipster-Revier gemausert. Höngg dagegen? Thront seit Jahrhunderten auf seinem Hügel, keltert Wein, schaut runter auf die Stadt – und bleibt sich treu.

Zusammen: rund 41'000 Einwohner. Willkommen im Dorf mitten in Zürich.


Foto: Canva.com


Wipkingen: Vom Fährdorf zum Trendquartier

Wipkingen war lang ein Kaff an der Limmat. Eine Brücke gab's erst ab 1874. Davor: Fähre. Das wars. Der Name kommt vom alemannischen Siedler Wibicho – erstmals erwähnt 881. Die Wibichstrasse erinnert noch heute an ihn.

1893 wurde Wipkingen eingemeindet. Während auf der anderen Limmatseite in Aussersihl die Fabriken hochgezogen wurden, blieb Wipkingen ein Wohnquartier für Arbeiter. Viele Genossenschaftssiedlungen aus dieser Zeit stehen noch – Blockrandbebauung, ehrlich und solide.

Der Quartierverein? Älter als die Eingemeindung. 1859 gegründet, damals als «Gemeinnützige Gesellschaft Wipkingen». Die Wipkinger waren schon immer organisiert.

Heute ist das Quartier anders organisiert – um den Röschibachplatz. Seit 2015 gibt's dort eine Begegnungszone mit Tempo 20, Boulevardgastronomie und Frischmärkte (Dienstag 15–20 Uhr, Samstag 8–16 Uhr). Vicafé, Gelateria di Berna, Nordbrüggli – wer Zürich kennt, kennt die Namen. Der Platz wurde 2016 sogar mit dem «Bronzenen Hasen» von Hochparterre ausgezeichnet.

Fun Fact: Der Bahnhof Wipkingen wurde erst 1932 eröffnet – obwohl die Bahnlinie seit 1856 existiert. 75 Jahre lang fuhren die Züge einfach durch. Die Wipkinger mussten hart dafür kämpfen.


Höngg: Das Dorf, das nie Stadt sein wollte

Höngg ist ein Kapitel für sich. Das Quartier liegt am Südhang des Käferbergs mit Blick über die Stadt, das Limmattal und die Alpen. Die reformierte Kirche thront seit dem 15. Jahrhundert über dem Rebberg – das Wahrzeichen des Quartiers.

Ja, Rebberg. In Höngg wird tatsächlich noch Wein angebaut. Der «Zürcher Stadtwein» kommt von hier. Seit dem Mittelalter. Ende des 19. Jahrhunderts hatte Höngg die drittgrösste Rebfläche im Kanton. Heute ist's weniger, aber immer noch Ehrensache.

Höngg wollte nie zu Zürich gehören. Bei der zweiten Eingemeindung 1934 stellten die Höngger Bedingungen: nicht zu Affoltern, sondern zu Wipkingen. Man fühlte sich näher verbunden. So entstand Kreis 10.

Der Quartierverein Höngg? Mit über 1'200 Mitgliedern der grösste der Stadt Zürich. Gegründet 1937. Jedes Jahr findet das traditionelle Wümmetfäscht statt – eines der ältesten Quartierfeste Zürichs.

Wer in Höngg wohnt, fährt zwar grauer Volkswagen (das häufigste Auto im Quartier laut Statistik), verdient aber überdurchschnittlich. 53% der Haushalte besitzen ein Auto – im städtischen Schnitt sind es nur 40%. Trotzdem nutzen 77% mindestens einmal pro Woche den ÖV. Pragmatisch, diese Höngger.


Die grossen Arbeitgeber

Der Kreis 10 ist mehr als nur Wohnquartier. Hier sitzen einige der wichtigsten Arbeitgeber der Region:

ETH Hönggerberg (Science City)

Der zweite Campus der ETH Zürich, gestartet 1961, ist ein eigenes Universum. Über 13'000 Mitarbeitende arbeiten an der ETH – verteilt auf Zentrum und Hönggerberg. Hier oben: Architektur, Physik, Chemie, Umweltwissenschaften. Seit 1973 hat die ETH über 600 Spin-offs hervorgebracht – 93% davon sind noch aktiv.

Der Masterplan 2040 sieht einen Ausbau um 45% vor. Zwei neue Hochhäuser sind geplant. Science City wächst.

Adresse: Stefano-Franscini-Platz 5, 8093 Zürich

Stadtspital Zürich Waid

Hoch über Wipkingen, am Waidberg, liegt das Stadtspital Waid. Einzugsgebiet: rund 170'000 Menschen aus Zürich Nord. Das Spital beschäftigt rund 1'000 Mitarbeitende und betreibt 213 Betten. Kliniken für Medizin, Chirurgie und Universitäre Altersmedizin – alles unter einem Dach.

Adresse: Tièchestrasse 99, 8037 Zürich

Gesundheitszentrum für das Alter Käferberg

Direkt unterhalb des Waidspitals: das Gesundheitszentrum Käferberg. Rund 370 Mitarbeitende kümmern sich um Langzeitpflege, Demenzbetreuung und Übergangspflege. Die Lage? Unschlagbar. Blick auf See und Alpen inklusive.

Adresse: Emil-Klöti-Strasse 25, 8037 Zürich


Branchencheck

Der Quartierspiegel verrät Interessantes: In Wipkingen sind 19% der Arbeitsplätze im Gesundheitswesen. Kein Wunder – Waid und Käferberg liegen buchstäblich oben am Hang.

Höngg dagegen? 54% der Arbeitsplätze liegen im Bereich Erziehung und Unterricht. Die ETH macht's möglich.

Wipkingen hat rund 7'160 Arbeitsplätze – nicht ganz genug für alle erwerbstätigen Bewohner. 76% der Wipkinger sind berufstätig.

Ein Stück lokale Wirtschaftsgeschichte: Die Unternehmensgruppe Zweifel – ja, die mit den Chips – hat ihren Ursprung in Höngg. Die Zweifel-Reben werden bereits 1440 urkundlich erwähnt. Das Stammhaus am Holbrig wurde 1709 erworben, 1898 wurde die Firma gegründet. Noch heute gibt's die Weinbeiz Zweifel – direkt am Kirchhügel.


Leben im Kreis 10

Wipkingen in Zahlen:

  • Ca. 16'700 Einwohner
  • 98% leben gerne in Zürich (laut Befragung)
  • 97% finden die Lebensqualität gut oder sehr gut
  • 1 Gemeinschaftszentrum, 1 Jugendtreff
  • 3 Parks, 10 Picknickplätze, 2 Bäder, 4 Spielplätze
  • ÖV: S24 (Bahnhof Wipkingen, 2024 frisch saniert), Tram 13, Bus 33/46

Höngg in Zahlen:

  • Ca. 24'800 Einwohner
  • Grösster Quartierverein der Stadt (1'200+ Mitglieder)
  • Überdurchschnittlich hohe Einkommen
  • 53% der Haushalte besitzen ein Auto
  • ÖV: Tram 13, Bus 46/80


Die Narbe: Rosengartenstrasse

Wipkingen hat ein Problem, und es heisst Rosengartenstrasse. Die vierspurige Schneise war als Provisorium gedacht – seit 1982. Sie zerteilt das Quartier bis heute.

Die Hardbrücke, die als Westtangente ausgebaut wurde, frass den Platz, wo früher die Tramlinie 4 durch die Röschibachstrasse fuhr. Ein Rosengartentunnel wurde 2020 vom Stimmvolk abgelehnt. Die Diskussion geht weiter.


Ein Kreis mit Eigensinn

Höngg ist die Terrasse mit Aussicht, Wipkingen der Balkon über der Limmat. Das eine bewahrt, das andere bewegt – und beides zusammen macht den Kreis 10 aus.

Mit der ETH Hönggerberg sitzt einer der wichtigsten Wissensstandorte der Schweiz im Quartier. Im Gesundheitswesen bieten Waid und Käferberg Hunderte von Jobs. Und wer einfach nur gut leben will: Der Kreis 10 bietet urbanes Treiben am Röschibachplatz und alpine Fernsicht vom Hönggerberg.

Das Dorf in der Stadt? Passt.


Quellen

  • Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Wipkingen 2025
  • Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Höngg 2025
  • Wikipedia: Wipkingen, Höngg, Kreis 10 (Stadt Zürich), Bahnhof Zürich Wipkingen
  • Quartierverein Wipkingen: wipkingen.net
  • Quartierverein Höngg: zuerich-hoengg.ch
  • Stadtmagazin Kreis 10: kreis10.ch
  • ETH Zürich: ethz.ch (Campus Hönggerberg, Arbeitsbedingungen)
  • Stadt Zürich: Stadtspital Zürich Waid, Gesundheitszentrum für das Alter Käferberg
  • NZZ: "Die Wipkingisierung von Zürich geht weiter" (Juli 2024)
  • NZZ: "Aufwertung und Spurreduktion beim Röschibachplatz" (Dezember 2012)
  • Stadt Zürich: "Bronzener Hase für den Quartierverein Wipkingen" (Dezember 2016)
  • Tagesanzeiger: "Stadtguide für Zürich: 24 Stunden in Höngg" (April 2025)
  • SBB News: "Zürich Wipkingen stufenfrei auf die Perrons" (Dezember 2024)